Steuerberater am Wort

 Mag. Gernot RITTER zu den aktuellen CoVID-19 Herausforderungen
(Steuerberater, Geschäftsführer der RBP Steuerberatung KG, Neusiedl am See)

 

– Was sind aktuell die größten Herausforderungen für KMU´s?

Die Bestandsaufnahme & Planung der Aufrechterhaltung der Liquidität in den nächsten Monaten sollte im Vordergrund stehen. Die beste Grundlage dafür ist ein aktuell geführtes Rechnungswesen, aus welchem sich ohne großen Mehraufwand die notwendigen Informationen ablesen lassen und damit in aller gebotenen Ruhe fundierte Entscheidungen für die kurz- und mittelfristige Zukunft treffen lassen. Das Arbeiten mit einer soweit wie möglich digitalen Buchhaltung macht sich in Zeiten wie diesen schwer bezahlt.
Und weil ich das sehr oft gefragt werde: natürlich gehört für Sie als Unternehmer auch die Planung Ihrer Privatausgaben am Ende mit zu den Überlegungen – Ihr „Gehalt“ ist der (versteuerte) Gewinn nach Sozialversicherungsbeiträgen.

Welche Hilfestellungen und Info-Services sind für KMU´s von Seiten der Steuerberater jetzt am meisten gefragt?

Es sind hauptsächlich Fragen rund um Kurzarbeitsvoraussetzungen und -antrag sowie diverse Förderanträge rund um die HäFF-Phasen und parallel dazu regelmäßig nicht beziehbare Landesförderungen. Auch die diversen Stundungs/Herabsetzungsmöglichkeiten bei den verschiedenen Behörden (FA,ÖGK,SVA usw.) werden oft angefragt und von uns dank digitaler Möglichkeiten rasch und damit mit dem geringstem Honoraraufwand erledigt.

– Welche Initiativen (von Seiten der Wirtschaft/Interessensvertretungen/Sozialpartner/Politik….), Unterstützungsmaßnahmen oder nützliche Offerings (im Sinne von sinnvolle Angebote aus der Wirtschaft, um bestmöglich weiter arbeiten oder die Krise überbrücken zu können) sind für KMUs jetzt am nützlichsten?

Am raschesten & unkompliziertesten wäre den UnternehmerInnen mit einer gesetzlich angeordneten (womöglich zinslosen) Kreditstundung für einen längeren Zeitraum geholfen („Moratorium“).
Das verschafft die notwendige Zeit, um sich über die Liquiditätsentwicklung der nächsten Monate Gedanken zu machen und sich entsprechend vorzubereiten. Denn eines ist klar: seine unternehmerische Zukunft vom Erhalt staatlicher Förderungen und Zuschüsse abhängig zu machen, schädigt die Volkswirtschaft und gefährdet damit den sozialen Frieden.
Wie man es als UnternehmerIn schon aus präcoronaren Zeiten gewohnt ist, schuldet man nach wie vor all seinen Partnern (also Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und Banken) eine größtmögliche Einhaltung von Verpflichtungen und sollte so rasch wie möglich das Gespräch suchen, falls sich solche nicht gänzlich oder nicht rechtzeitig einhalten lassen.
Derzeit ist schon die Absicht des Staates erkennbar, dass er in Sachen zinsgünstiger oder –loser Überbrückungskredite nachbessern will: wie bei Vielem sind auch hier die Bedingungen per dato noch nicht ganz klar.
Apropos Bank & Kredit: bei vielen Banken hat der betreuende Berater zumeist allein das Pouvoir, die bestehenden Kreditlinien ohne langwierige Freigabeprozesse & Dokumente um ein paar Monate zu erstrecken.
Und schließlich: bei allen bisher sichtbaren staatlich geförderten Krediten landet Ihr Kreditgesuch in aller Regel wieder bei Ihrer Hausbank und Ihrer dortigen BeraterIn – dreimal dürfen Sie raten, worüber sich diese mit Ihnen (zumindest mittelfristig) wird unterhalten wollen: genau! Es ist Ihre (sorgfältig erstellte und ständig aktualisierte) Liquiditätsplanung.