Zinsempfehlung AFRAC

Stichtagszinssatz

Im Folgenden sind die Bandbreiten der von den drei großen Anbietern AON* , Mercer und Willis Towers Watson empfohlenen Stichtagszinssätze dargestellt:

Quellen:

http://www.aon.com/germany/downloads/aonhewitt/Rechnungszins.pdf
http://www.mercer.at/our-thinking/rechnungszins-fuer-ifrs-us-gaap-bewertungen.html
https://www.towerswatson.com/de-DE/Insights/Newsletters/Europe/rechnungszins
*Die Extrapolation der Zinsraten wurde seitens AON ab dem Stichtag 30.09.2018 von Swaprates auf AA-geratete Staatsanleihen als Basis umgestellt.

§ 211 (2) UGB sieht die Abzinsung grundsätzlich mit marktüblichen Zinssätzen vor. Diese Option wird gemäß 4.6 lit a der Stellungnahme des AFRAC zu den Rückstellungen für Pensions-, Abfertigungs-, Jubiläumsgeld- und vergleichba-re langfristig fällige Verpflichtungen nach den Vorschriften des Unternehmensgesetzbuches vom Juni 2015 als jener Zinssatz definiert, zu dem sich ein Unternehmen mit hochklassiger Bonitätseinstufung am Abschlussstichtag der durchschnittlichen Restlaufzeit der Verpflichtungen im Wesentlichen entsprechendes Fremdkapital beschaffen kann (aktueller Zinssatz). Gemäß den Erläuterungen zur Stellungnahme hat der Zinssatz grundsätzlich der durchschnittlichen Restlaufzeit der Verpflichtung zu entsprechen. Die durchschnittliche Restlaufzeit errechnet sich aus dem Verhältnis der fälligkeitsgewichteten Zahlungen zur Summe aller Zahlungen aus den bestehenden Verpflichtungen, wobei die Zahlungen unter Berücksichtigung biometrischer Annahmen, d.h. wahrscheinlichkeitsgewichtet ermittelt werden.

Durchrechnungs – Zinssatz:
Als Alternative räumt § 211 (2) UGB für Abfertigungsverpflichtungen, Pensionen, Jubiläumsgeldzusagen oder vergleichbare langfristig fällige Verpflichtungen die Anwendung eines durchschnittlichen Marktzinssatzes ein, der sich bei einer angenommenen Restlaufzeit von 15 Jahren ergibt, sofern dagegen im Einzelfall keine erheblichen Bedenken bestehen. Diese Option wird gemäß 4.6 lit b der Stellungnahme des AFRAC zu den Rückstellungen für Pensions-, Abfertigungs-, Jubiläumsgeld- und vergleichbare langfristig fällige Verpflichtungen nach den Vorschriften des Unternehmensgesetzbuches als jener Zinssatz definiert, der sich als Durchschnitt aus dem gemäß lit a ermittelten Zinssatz zum Abschlussstichtag und den gemäß lit a ermittelten Zinssätzen der vier oder fünf oder sechs oder sieben oder acht oder neun vorangegangenen Abschlussstichtage ergibt (Durchschnittszinssatz). Entsprechend den Erläuterungen zur Stellungnahme entspricht die Verwendung des Durchschnittszinssatzes der Regelung im dHGB. Damit ist alternativ zu den oben definierten Durchrechnungszeiträumen auch die Zugrundelegung eines 60monatigen oder 72monatigen oder 84monatigen oder 96monatigen oder 108monatigen oder 120monatigen Durchrechnungszeitraumes möglich.

Wie in den Erläuternden Bemerkungen zur Neufassung des § 211 Abs 2 UGB durch das RÄG 2014 angeführt, kann daher auch in Österreich der Zinssatz gemäß „den deutschen Kundmachungen der Rechtsverordnungen nach § 253 Abs 2 vierter Satz dHGB“ herangezogen werden. Da die deutsche Bundesbank die Durchschnittszinssätze lediglich für einen 84monatigen und einen 120monatigen Durchrechnungszeitraus veröffentlicht, wird – sofern die Entscheidung für einen Durchrechnungszinssatz gemäß B) getroffen wurde – aus Praktikabilitätsgründen die Anwendung eines dieser beiden Durchrechnungszeiträume empfohlen.

Im Folgenden sind die von der Deutschen Bundesbank für 15-jährige Laufzeiten veröffentlichten 7 und 10-jährige Durchschnittszinssätze angeführt:

Quellen:
https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Statistiken/Geld_und_Kapitalmaerkte/Zinssaetze_Renditen/abzinsungszinssaetze.pdf
https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Statistiken/Geld_und_Kapitalmaerkte/Zinssaetze_Renditen/abzinsungszinssaetze_10jahre.pdf

Die einmal getroffene Entscheidung für eine der möglichen Zinsfindungen (insbesondere zwischen A, B.a und B.b) ist auch für die weitere Bilanzstichtage verpflichtend anzuwenden.

Hier finden Sie 4 Beispielberechnungen zum Thema AFRAC:
AFRAC Beispiel 1: Leistungsorientiert Pensionszusage, in der Leistungsphase Wertsicherung laut VPI
Leistungsorientierte Pensionszusage – Mann, Zusagenbeginn: 45 Jahre, Pensionsalter: 65 Jahre – Alter zum 31.12.2015: 58 Jahre zugesagt Pension EUR 40.000,00 p.a. in der Leistungsphase Wertsicherung laut VPI
Die Grafiken zeigen die Rückstellungsentwicklungen bei unterschiedlichen Zinsszenarien. Die Projektion des Realzins von 2% p.a. sollte als Orientierung an der bisher bekannten Bewertung dienen.

AFRAC Beispiel 2: Pensionszusage, zu 75% über eine Rückdeckungsversicherung finanziert, Wertsicherung laut VPI
In diesem Beispiel wird die bestehende Zusage zu 75% über eine Rückdeckungsversicherung finanziert (Versicherungsbeginnalter 45, Versicherungsendalter 65, versicherte Rente inkl. GB 30.000, Rechnungszins 1%, Gesamtverzinsung 3% – daher Wertsicherung von 2% in der Leistungsphase, AVÖ 2005 Unisex; die Zusage wird um die Abfindungsoption in Höhe der RDV erweitert). Da die Rückstellung mit dem Deckungskapital bereits aufgerechnet ist, sieht man zunächst die Möglichkeit des Nettings. Weiters sieht man, dass sich die Gesellschaft immerhin gegenüber dem Risiko steigender Zinssätze abgesichert hat, weil in diesen Fällen das Deckungskapital infolge der Abfindungsoption greift. Gegenüber fallenden Zinssätzen bleibt das Expose aber in vollem Ausmaß bestehen.

AFRAC Beispiel 3: wie Beispiel 2, aber Wertsicherung entsprechend Rückdeckungsversicherung
Das dritte Beispiel ist gleich wie das Beispiel zwei, außer dass in der Zusage die Wertsicherung in der Leistungsphase nicht mit dem VPI sondern entsprechend der Rückdeckungsversicherung definiert wird. Mit diesem kleinen Kunstgriff, der – wenn man annimmt, dass Gesamtverzinsung der RDV bei 3% und die Inflation bei 2% bleiben – gegenüber Variante 2 zu völlig identischen Zahlungsströmen führt, wirkt die Immunisierung gegenüber dem Zinsänderungsrisiko bereits erheblich.

AFRAC Beispiel 4: Leistungsphase
Das vierte Beispiel zeigt die Leistungsphase (Mann Pension EUR 40.000 p.a. Alter zum 31.12.2015 65, Finanzierung durch RDV wieder zu 75%). Hier ist bemerkenswert, dass die Nettorückstellung – wiederum unter der Annahme dass die Inflation bei 2% bleibt und sich die Renten aus der RDV ebenfalls mit 2% p.a. erhöhen – in beiden Wertsicherungsvarianten (analog VPI oder analog zur Wertsicherung der RDV) identisch ist und natürlich ebenfalls eine wunderbare Immunisierung aufweist. Dies kommt durch die Umbewertung der RDV gemäß Fachgutachten KFS / RL 23 bei der Variante Wertsicherung laut VPI zustande, in welcher die RDV mit 75% der Gesamtrückstellung gleichzusetzen ist.

Allgemeine Information zu AFRAC:
Die vom Beirat für Rechnungslegung und Abschlussprüfung (AFRAC Austrian Financial Reporting and Auditing Commitee) im Vorjahr festgelegten Standards für Personalrückstellungen betreffen Rückstellungen für Pensions-, Abfertigungs-, Jubiläumsgeld- und vergleichbare langfristig fällige Verpflichtungen. Die erstmalige Anwendung ist ab dem Wirtschaftsjahr 2016 verpflichtend. Für viele Unternehmen ist Handlungsbedarf gegeben.

Innerhalb der zentralen Aspekte, die die Höhe der Gesamtpensionsrückstellung maßgeblich beeinflussen, nimmt die Bestimmung des Rechnungszinssatzes und des Berechnungsverfahrens eine wesentliche Rolle ein. Die AFRAC-Stellungnahme definiert Optionen für die Bewertung, die sich insbesondere bei Pensionsrückstellungen auswirken. Wahrechte und Entscheidungserfordernisse gibt es für die Ermittlung des Rechnungszinses und für Bewertungsverfahren. Der Rechnungszinssatz kann in Höhe des „aktuellen Zinssatzes“ (Marktzins für Unternehmensanleihen hochklassiger Bonität), oder in Höhe des gleitenden Durchschnittszinssatzes (d.h. aktueller Zinssatz plus Zinssätze der letzten sechs Jahre) festgelegt werden. Als Bewertungsverfahren kann ein Verfahren der laufenden Einmalprämien, oder die Teilwert-Methode gewählt werden.
VERO Betriebliche Vorsorge hat anhand eines Fallbeispiels die Hebel der Wahlrechte vor dem Hintergrund zweier diametral entgegengesetzter Zinsentwicklungen aufgezeigt. In Verbindung mit der Wahl des Bewertungsverfahrens ergeben sich mögliche dargestellte Zinsentwicklungen und Effekte, mit denen erhebliche Bilanzspielräume verbunden sein können.

Handlungsbedarf für Unternehmen
Arbeitgeber müssen einmalig das zukünftig angewendete Bewertungsverfahren und die Ermittlungs-Methode des Rechnungszinses festlegen und ihrem Gutachter bekanntgeben. In dieser komplexen Materie bedarf es kompetenter Beratung von versierten Fachexperten.

KMU-Plattform Beratungsleistungen als Entscheidungsgrundlagen:

  • Vorschauberechnungen zu Jubiläumsgeld, Abfertigungs- und Pensionsverpflichtungen unter Anwendung der möglichen Zinsszenarien für die Entscheidungsfindung
  • Versicherungsmathematische Gutachten für die Bilanz
  • Rechtliche Prüfung von Pensionsverpflichtungen
  • Betriebswirtschaftliche Analyse von bestehenden Verpflichtungen

 

Ihr Ansprechpartner:

Manfred Reinalter, KMU-Plattform GmbH
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